Neu hier?

10 Wege gegen Schreibblockaden aus Angst

Angst vor dem eigenen Text?
Illustration: Guido Göbbels

Wenn ihr diesen Blog lest, wisst ihr höchstwahrscheinlich, wie es sich anfühlt, eine Schreibblockade zu haben. Jedes zweite Forum über Kreatives Schreiben ist voll mit Fragen wie “Wie überwinde ich meine Schreibblockade?” und an manchen Stellen findet man auch tatsächlich sehr gute Antworten dazu. Was ich bisher nicht finden konnte, war eine Homepage, die sich damit auseinandersetzt, welche verschiedenen Arten von Schreibblockaden es gibt.

Ich habe mich also einmal hingesetzt und überlegt, woher eine Schreibblockade wohl rühren könnte. Dieser Beitrag soll Schreibblockaden behandeln, die dadurch verursacht werden, dass man Angst hat. Ich möchte diese Schreibblockaden wiederum aufgliedern in:

Angst vor Erfolg
Es mag seltsam klingen, doch es kommt tatsächlich bei vielen Autoren vor: Die nicht rational begründbare Angst, der Text, an den man sich gerade begeben möchte, könnte tatsächlich gut werden und Erfolg nach sich ziehen. Warum das ein Problem darstellt? Ganz einfach: Weil man unterbewusst fürchtet, sich dadurch zu sehr zu binden. Man will mit seinem Text nicht die Messlatte des eigenen Schaffens nach oben korrigieren.
Wenn ich einen guten Text verfasse, muss der nächste ebenfalls klasse werden.
Angst vor Misserfolg
Diese Angst dürfte wahrscheinlich etwas weiter verbreitet sein: Die Angst davor, dass der Text nicht den Anspruch erfüllt, den man selbst oder andere an ihn stellt. Ich kann hier aus Erfahrung sprechen, denn diese Art der Schreibblockade durch Angst habe ich lange Zeit mit mir herum getragen, und es hat eine ganze Menge Arbeit benötigt, sie wieder loszuwerden.
Ich kann sowieso nicht schreiben. Wenn ich einen Text verfasse, wird dieser genauso schlecht wie der Letzte, den ich geschrieben habe.
Angst vor Kritik
Diese Angst kennen nicht nur Schriftsteller, sondern auch alle anderen Künstler: Die Angst, dass jemand anders das Werk nicht mag und mit Kritik zu Grunde richtet. Dies ist eine Angst, die man unbedingt überwinden sollte, denn Kritik ist meiner Erfahrung nach meist nur gut gemeint.
Natürlich tut es weh, wenn man sein Herzblut an jemand anderes weitergibt, der es lediglich mit ein paar Worten als Müll abtut, aber wenn man lernt, aus Kritik zu lernen, kann man wertvolle Erkenntnisse daraus gewinnen. Natürlich ist dafür die Voraussetzung, dass derjenige, der kritisiert, nicht nur grundlos wettert, sondern tatsächlich argumentieren kann.
Wenn ich jetzt schreibe, wird es XYZ sowieso nicht gefallen.
Angst vor dem eigenen Text
Das ist wahrscheinlich die irrationalste Angst von allen. Sie besteht darin, dass der Autor nicht Angst vor den Konsequenzen hat, sondern Angst vor dem Akt des Schreibens an sich. Er hat Angst, sich an den Rechner oder vor sein Moleskine zu setzen, weil er fürchtet, Texte zu verfassen, sich zu konzentrieren und die Welten aus seinem Kopf zu Papier zu bringen.
Wenn ich jetzt schreibe, muss ich mich wieder mit meinen Charakteren auseinandersetzen.

10 Ideen, um die Schreibblockade aus Angst zu bekämpfen

Um eine Schreibblockade, die aus Angst resultiert, erfolgreich überwinden zu können, ist es wichtig, zuerst einmal zu wissen, wovor man genau Angst hat. Vorsicht allerdings: Die meisten sind wohl allzu schnell bereit, ihre Schreibblockade auf “Angst vor dem Text” abzuschieben, ohne jedoch wirklich ihre eigenen Motive hinterfragt zu haben.

Danach ist es wichtig, sich konsequent daran zu begeben, die Blockade zu bekämpfen, denn sonst wird man einige Zeit kein Wort mehr zu Papier bringen können. Hier sind 10 Ideen, wie man eine Schreibblockade aus Angst auflösen kann. Bitte beachtet, dass ich die meisten Ideen noch nicht ausprobiert habe, sie sind vielmehr als Denkanstöße zu verstehen, da ich der Meinung bin, sie könnten vielen helfen:

  1. Erfolg aus der Vergangenheit
    Blast den Staub von euren alten Texten. Es gibt nichts erfrischenderes, als sich ein paar seiner alten Lieblinge noch einmal zu Gemüte zu führen. Wenn ihr erst wieder lest, was ihr schon alles gutes geschrieben habt, kommt das Selbstvertrauen schnell wieder zurück, und Selbstvertrauen ist bekanntlich ein starker Verbündeter gegen Angst.
    Sollte es eine Angst vor Kritik sein, an der ihr leidet, denkt zurück, wie euch jemand zuletzt etwas nettes über einen Text gesagt hat.
  2. Einschlagen und Aufbauen
    Wenn ihr wirklich Angst davor habt, einen schlechten Text zu formulieren, warum tut ihr dann nicht einfach genau das? Nehmt euch euer aktuelles Manuskript vor und schreibt darunter Sätze wie: “Er nahm sie in die Arme, denn er hatte sie ganz doll gern, und sie sagte: ‘Oh das ist aber nett!!!” und er sagte: ‘ja, finde ich auch’ und dann waren beide arg glücklich.”
    Tobt euch aus, schreibt das schlechteste, was euch einfällt. Ihr werdet sehen, es dauert keine zehn Minuten, bis ihr den Müll, den ihr gerade selbst zu Papier gebracht habt, nicht mehr ertragen könnt, alles wegwerft und voller Eifer von vorne anfangt. Es ist immer einfacher, auf etwas aufbauen zu können, als komplett bei Null anzufangen, also schreckt nicht davor zurück, Überflüssiges zu entsorgen.
  3. Hilfe durch Freunde
    Ruft euren besten Freund oder eure beste Freundin an (oder, noch besser: eure bessere Hälfte) und schildert ihm/ihr das Problem, genau hier, genau jetzt, auch um zwei Uhr nachts: Freunde verzeihen so etwas. Wenn ihr so gute Freunde habt wie ich, werden sie euch gut zureden und euch anfeuern, und es ist absolut unglaublich, was ein paar nette Worte eines geliebten Menschen ausmachen, wenn es darum geht, die Angst zu überwinden. Fürchtet euch nicht davor, lächerlich oder bemitleidenswert zu wirken und jammert ruhig ordentlich, denn die meisten Leute können sich vorstellen, wie schwer es ist, ein Schriftsteller zu sein.
  4. Rohe Gewalt
    Druckt euch die Passage aus, die euch nicht gefällt, löscht sie anschließend aus eurem Textverarbeitungsprogramm (wenn ihr per Hand schreibt, reißt einfach die Seite heraus) legt sie vor euch auf den Tisch und lest sie euch durch, wieder und wieder, bis euch die Galle hochkommt und ihr sie nicht mehr sehen könnt, steigert euch ordentlich in eure Wut hinein, bis ihr schnauben und schreien wollt und dann geht auf den Text los. Ich meine es ernst. Benutzt so viel körperliche Gewalt wie irgendwie möglich und zeigt dieser Textpassage, wer der Boss ist. Es klingt bescheuert, doch ich möchte wetten, dass die Befriedigung solch animalischer Triebe hilft, die Angst zu überwinden. Anzünden dürfte übrigens ähnliche Resultate erzielen.
  5. Langsam, doch beharrlich
    Angst auf Dauer zu kontrollieren, ist schwierig. Angst für ein paar Sekunden zu kontrollieren, ist allerdings machbar. Versucht es doch mal mit folgendem: Setzt euch vor den Rechner, macht das Dokument auf, legt die Hände auf die Tasten, atmet langsam und ruhig und zählt dabei langsam bis zehn, unterdrückt die Angst mit aller Macht, dann schreibt ihr einen Satz. Wenn ihr den Punkt gesetzt habt, lasst zu, dass die Angst zurückkehrt und ihr euch wieder fragt, was für einen Müll ihr gerade niedergeschrieben habt.
    Doch dann fangt direkt wieder an, bis zehn zu zählen. Dann den nächsten Satz. Bis zehn zählen, nächster Satz, bis zehn zählen, nächster Satz.
    Nach einiger Zeit sollte sich der Rhythmus eigentlich verselbstständigt haben, so dass ihr zumindest zu einer Rohfassung gelangt, die ihr in Ruhe korrigieren könnt, wenn sich die Angst ein wenig gelegt hat
  6. Angst mit Meditation besiegen
    Die Website www.dealingwithfear.org (zu Deutsch: mit der Angst umgehen) schlägt vor, Meditation zu benutzen, um Herr über seine Ängste zu benutzen. Zugegeben, die Seite ist ein wenig esoterisch angehaucht und behandelt eher die “großen” Ängste (Angst vor dem Tod und dergleichen), doch ich sehe keinen Grund, es nicht zu probieren. Ich zitiere (frei ins Deutsche übersetzt):

    Wir setzen uns für diese Meditation in eine gemütliche Position, mit geradem Rücken, wir schließen unsere Augen und atmen ruhig durch unsere Nase. […] Dann visualisieren wir unsere Ängste, zusamen mit ihrer tatsächlichen Ursache […] in Form von dichtem, dicken Rauch, und atmen sie aus. Dieser Rauch verlässt unsere Nasen und verschwindet in den entlegenster Winkeln des Alls, wo er komplett verschwindet und niemals wiederkehrt.

  7. Erinnerung
    Wie bereits eingangs erwähnt, ist es wichtig, sich vor Augen zu führen, dass die Schreibblockade nur durch Angst hervorgerrufen wird. Ich schlage vor, sich ein kleines Schildchen aus Pappe zu basteln, auf dem etwas steht wie: “Ich habe Angst vor Misserfolg.” Dieses stellt ihr dann einfach neben euren Arbeitsplatz, denn dadurch, dass ihr euch so immer wieder vor Augen führt, dass es nur diese Lappalie ist, die dazu führt, dass ihr nicht mehr schreiben könnt, seid ihr der Lösung des Problems einen Schritt näher gekommen.
  8. Autosuggestion
    Wenn aufmunternde Worte von Freunden helfen können (siehe Schritt 3), wie wäre es dann mit ein wenig Selbstmotivation? Scheut nicht davor, euch selbst gut zuzureden, denn mal ehrlich: Wer hört euch denn, wenn ihr alleine vor dem Rechner oder Notizbuch sitzt? Ich persönlich finde es meistens sehr effektiv, mir selbst gut zuzureden, wenn ich merke, dass mein Kopf dicht machen möchte.
  9. Hilfe von Oben
    Nein, ich wollte euch nicht vorschlagen, dass ihr es mit Beten versucht, obwohl das natürlich auch helfen mag. Vielmehr meine ich, dass ihr euch nicht die Hilfe von Freunden sucht, sondern von jemandem, der das Handwerk wirklich versteht. Überlegt mal: Habt ihr in eurem Freundeskreis Leute, die Germanistik studieren? Als Lehrer arbeiten, oder als Lektor? Redakteure, Journalisten, oder sogar Schriftsteller? Es gibt viele Menschen, die mit ihrer Liebe zum Wort Geld verdienen und eine sehr qualifizierte Meinung haben können. Fragen kostet nichts.
    Wenn ihr niemanden findet, habt ihr immer noch die Möglichkeit, einer Autorengruppe beizutreten.
  10. Angst als Verbündeter
    Es gibt viele mächtige Emotionen, die einen zum Schreiben bringen können: Liebe, Hoffnung, Ehrgeiz, Egoismus…und Angst. Ja, genau. Angst ist ein sehr starkes Gefühl, es ist in der Lage, komplett zu immobilisieren, doch vielleicht ist ja auch genau das Gegenteil der Fall: Warum sollte man nicht die Energie der Angst nutzen, um daraus Kraft zu schöpfen? Versucht es doch einfach einmal: Lasst die Angst zu, nehmt sie in euch auf, akzeptiert sie als das, was sie ist (ein irrationales Gefühl, das nichts mit eurem Verstand zu tun hat) und dann versucht, sie umzulenken, um daraus neue Energie für das Schreiben zu gewinnen.

Ich hoffe, euch mit dieser Liste ein paar gute Tipps an die Hand gegeben zu haben. Wenn ihr welche für euch ausprobiert habt, lasst es mich doch in den Kommentaren wissen.

Siehe auch

  • Keine(r)
  • Wenn euch dieser Beitrag gefallen hat, abonniert doch meinen Newsletter.

    2 Kommentare bisher »

    1. PsychoAnonym sagt

      am 2. April 2008 @ 20:49

      Hi,

      ich bin durch zufall auf deinen Block gestoßen und war sehr faziniert. Ich bin zwar noch schülerin aber die ängste kenn ich teilweise auch, auch wenn es sich nur um hausaufgaben handelt. Ich habe zwar keine angst vor kritik aber vor erfolg und teilweise vor dem text an sich schon. Deine tipps helfen mir bei meiner “blockade” zwar nicht, da ich bei meinen texten eher ein problem damit habe alles was ich schreiben will in einen sinnvollen textfluss zu bringen, aber deine seite ist schon interessant und informativ.

      Gruß
      PsychoAnonym

    2. Jörn sagt

      am 3. April 2008 @ 07:34

      Hallo PsychoAnonym,

      vielen Dank für deinen Beitrag!
      Ich bin sicher, deine Blockade bei den Hausaufgaben wird sich über die Zeit lösen, wenn du vertrauter mit den Herausforderungen wirst, die an dich gestellt werden.
      Lass den Kopf nicht hängen, das wird schon!

      Viele Grüße

      Jörn

    Komentar RSS · TrackBack URI

    Hinterlasse einen Kommentar

    Name: (erforderlich)

    eMail: (erforderlich)

    Webseite:

    Kommentar: