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Aufhören, wenn’s am Schönsten ist

Wer an der spannendsten Stelle aufhört, ist auf jeden Fall motiviert, weiterzumachen
Illustration: Guido Göbbels

Jeder von uns hat Hausarbeiten, die er lieber mag, und welche, die er nicht ausstehen kann. Ich zum Beispiel kann Staubsaugen beim besten Willen nicht ertragen.

Genauso hat jeder von uns eine bestimmte Art von Szenen, die einfach nicht vernünftig aus der Feder fließen wollen. Typische Szenen, die Autoren immer wieder Schwierigkeiten bereiten, sind beispielsweise alle, bei denen es unter der Bettdecke heiß hergeht oder bei denen ein Charakter ums Leben kommen soll, den der Autor eigentlich gern hat (oder beides!). Auch Szenen, auf die sich der Autor nicht ausreichend mental vorbereitet hat, sind Kandidaten für die ein oder andere Schreibblockade.

Doch es gibt auch Szenen, die einem gut gelingen. Ich persönlich staune immer wieder darüber, wie ich romantische Szenen voller Leidenschaft und Emotionen aufs Papier bringen kann, nur um kurz darauf über eine Beschreibung des Alltäglichen zu stolpern.

Was soll man also dagegen tun?

Ich schlage vor, dass ihr den Plan, nach dem ihr einen Text schreibt, ein wenig umstrukturiert. Wenn ihr das nächste Mal zu einer Szene kommt, von der ihr wisst, dass sie euch gefallen wird, hört auf. Legt den (eventuell metaphorischen) Stift nieder und tut irgendwas anderes. Schreibt den Text nicht jetzt weiter.

Der Effekt ist einfach: Sobald ihr ihm Zeit lasst, wird euer Verstand an dieser Stelle nagen und sich damit beschäftigten, weil er sich darauf freut, sie zu schreiben. Wenn ihr euch das nächste Mal an den Text setzt, werdet ihr euch wundern, wie leicht die Worte aus euch heraussprudeln und wie wunderbar euch die Szene gelingen wird.

Dass danach eine anstrengende Passage folgt (soll heißen: für den Autor anstrengend zu schreiben, wenn sie für den Leser anstrengend zu lesen ist, hat sie sowieso nichts in eurem Text zu suchen!), werdet ihr nicht einmal bemerken, da ihr zu sehr im Fluss sein werdet.

Nutzt diese Motivation, so lange sie anhält und schreibt, was ihr könnt. Wenn ihr die nächste Szene in Angriff nehmen wollt, die euch beim Schreiben Freude bereiten wird, ihr erratet es: hört auf. So könnt ihr den Schwung, den ihr in solchen Szenen verspürt, durch euren gesamten Text tragen.

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