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Warum nicht erwähnt werden muss, wer gerade spricht

Viele verwirrende Dialoge können leicht geordnet werden
Illustration: Guido Göbbels

Wer als Autor die Intelligenz seiner Leser beleidigt, wird ziemlich schnell ein Autor ohne Leser sein.

Natürlich bleibt die nagende Frage im Hinterkopf, ob euer Leser überhaupt intelligent genug ist, um euer Genie zu begreifen, doch Tatsache ist: Die meisten eurer Leser sind nicht halb so sehr auf den Kopf gefallen, wie ihr vielleicht denkt.

Ich schlage vor, diese Faustregel konsequent zu verfolgen, in allen Bereichen des kreativen Schreibens. Beginnen wir mit einem Beispiel, und stellen uns vor, ein Geschäftsmann, Bernhard, wird auf der Straße von einem Obdachlosen, Streunender Mike mit Namen, angesprochen:

Ein Blick auf die Uhr bestätigte Bernhard, was er schon längst gefürchtet hatte: Er war so sehr zu spät, dass er ernsthaft überlegte, anzurufen und ihnen irgendeine Lüge aufzutischen.
“Hey, haste ma ne Zigarette?”, fragte Mike, der am Straßenrand saß und eine Bierflasche umklammert hielt, als sei sie der Schlüssel zur Weisheit der Welt.
“Was? Ich….was?”, fragte Bernhard, der jäh aus seinen Gedanken gerissen worden war.
“Ob du ne Zigarette hast. Ihr Typen braucht doch Nikotin, weißt, was ich mein”, antwortete Mike.
“Äh, nein, ich bin Nichtraucher, Entschuldigung”, gab Bernhard zurück.
“Das echt schade für dich, du solltest rauchen, weißt?”, neckte ihn Mike.

Diese Szene ist schlecht geschrieben.

Bernhards höflicher Business-Ton und Mikes grober Straßenslang machen es für jeden möglich, die beiden allein an der Wortwahl auseinander zu halten. Die andauernde Erwähnung des Namens, zumal in einem Dialog, der hier wirklich nur aus zwei Leuten besteht, ist nichts weiter als überflüssig.

Die Szene verliert nichts, wenn wir sie so formulieren würden:

Ein Blick auf die Uhr bestätigte Bernhard, was er schon längst gefürchtet hatte: Er war so sehr zu spät, dass er ernsthaft überlegte, anzurufen und ihnen irgendeine Lüge aufzutischen.
“Hey, haste ma ne Zigarette?”, fragte Mike, der am Straßenrand saß und eine Bierflasche umklammert hielt, als sei sie der Schlüssel zur Weisheit der Welt.
“Was? Ich….was?” [Dass Bernhard jäh aus seinen Gedanken gerissen wird, wissen wir allein schon durch sein unsicheres Stottern]
“Ob du ne Zigarette hast. Ihr Typen braucht doch Nikotin, weißt, was ich mein.”
“Äh, nein, ich bin Nichtraucher, Entschuldigung.”
“Das’s echt schade für dich, du solltest rauchen, weißt?”

Wie ihr seht, ist es immer noch klar, ob Mike oder Bernhard das Wort ergreift. Natürlich ist es hier wirklich sehr einfach umzusetzen, doch nicht nur die Sprache der Figur kann charakteristisch wirken, auch, wie eine Figur die andere anspricht, gibt meist genug Aufschluss.

Unnötig wird die Erwähnung des Namens nach der wörtlichen Rede:

  • Bei Gesprächen innerhalb einer Familie, wenn sich die Dialogpartner mit Familienbezeichnungen anreden können (Mama, Papa, mein Sohn, mein lieber Schwager)
  • Bei Gesprächen, die eine Diskrepanz in der Autorität aufweisen (Angestellter und Chef, Fähnrich und Seargant, Messdiener und Pastor….)
  • Bei onomatopoetisch ausgeführten Sprachfehlern der Figur (”Meisssster, Meisssster”, rief er)
  • Wenn beide Charakter sowieso aneinander vorbei reden
  • Immer, wenn nur zwei Personen abwechselnd sprechen

Achtet auf diese Grundregeln, und ihr erhaltet nicht nur einen dichteren, leichter zu lesenden Text, sondern zieht noch einen weiteren Vorteil: die Vermeidung der andauernden Suche nach Alternativen für das Wort “sagte”.

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