Neu hier?

Archiv für Interessantes im Netz

Straffere Dialoge durch einen einfachen Tipp

Allie BonifaceAllie Boniface ist eine amerikanische Schriftstellerin und schrieb auf ihrer Seite Allie’s Musings (zu deutsch etwa: Allies Grübeleien) einen Eintrag mit dem Titel “An interesting writing tip“, den ich sehr gut geschrieben fand. Ich schrieb Allie also an und bat um Erlaubnis, den Artikel ins Deutsche übersetzen und hier veröffentlichen zu dürfen, und sie war begeistert.

Hier ist ihr Artikel, zwar von mir übersetzt, die Idee dahinter stammt allerdings vollständig von Allie Boniface. Natürlich übernehme ich keine Haftung für eventuell falsch übersetzte Informationen.

Ein interessanter Schreibtipp

Leichte Lektüre ist verdammt schwer zu schreiben.
~Nathaniel Hawthorne

Bei einem „RWA chapter“-Treffen in meiner Nähe [Anmerkung von mir als Übersetzer: RWA=Romance Writers of America zu Deutsch etwa: Romantik-Schriftsteller aus Amerika] gab mir ein veröffentlichter Autor einen Tipp zum Schreiben, der sehr einfach und doch ziemlich tiefsinnig war (für mich zumindest). Hier ist er:

Wenn sich zwei Figuren unterhalten, lass keine von ihnen etwas sagen, das beide schon wissen.

Ich habe diesen Rat noch nie zuvor gehört, doch wenn man darüber nachdenkt, gibt es wirklich Sinn. Zum Beispiel würde diese Konversation zwischen zwei besten Freunden niemals wirklich stattfinden:

Jill: Steve hat nicht angerufen. Es ist jetzt schon drei Tage her, seit ich ihm von dem Baby erzählt habe. [Der beste Freund würde dies höchstwahrscheinlich schon wissen.] Was soll ich denn nur tun? [Der erste Satz enthält neue Information, er darf also stehen bleiben. Die Frage am Ende ebenfalls. Doch der mittlere Satz, ein alter Hut, sollte herausgenommen werden.]

Sharlene: Nun ja, du könntest einfach abwarten. Er hat das schon einmal getan, wie du weißt. Erinnerst du dich an damals, als du ihn mit deiner Kusine im Bett erwischt hast? [Diese letzten beiden Sätze wurden vom Autor nur im Versuch geschrieben, die Story weiter laufen zu lassen. Jill braucht höchstwahrscheinlich keine Erinnerung bezüglich der Kusine.]

Jill: Schon, aber er sagt, er stand unter Drogen und wusste nicht, wie er dorthin gekommen war. [Wiederum würde Sharlene als beste Freundin das schon wissen.]

Sharlene: Ruf ihn doch auf seinem Handy an. Sein Boss wird ausrasten, wenn er auf der Arbeit einen Anruf bekommt, doch wenn er deine Nachrichten ignoriert, verdient er es. [Der erste Satz, ein neuer Rat beziehungsweise eine neue Information, wäre so in Ordnung. Der zweite beschreibt etwas, das Jill, die immerhin das Baby dieses Kerls austrägt, wahrscheinlich schon wüsste.]

Also, eine Überarbeitung der obigen Konversation würde ungefähr so aussehen:

Jill: Steve hat immer noch nicht angerufen. Was soll ich denn nur tun?

Sharlene: Nun ja, du könntest einfach abwarten. Oder ruf ihn auf seinem Handy an.

Nach diesem kurzen Austausch würde ich wahrscheinlich mit neuen Ideen, wie man mit Steve verfahren soll, fortfahren, oder vielleicht mit Jills Gefühlen bezüglich der Tatsache, dass sie das Baby von irgendeinem Idioten austrägt. Am wichtigsten: Es wäre alles neue Information. Die einzige Ausnahme, die ich mir vorstellen könnte, wäre, wenn ein Charakter die Informationen für den Effekt wiederholen würde, oder um die Aussage zu unterstreichen.
In allen anderen Fällen ergibt das Eliminieren aller überflüssigen Informationen einen dichteren und glaubwürdigeren Dialog.

Ich liebe diesen Rat einfach und werde ihn in meinen Überarbeitungen und allen Werken, an denen ich momentan arbeite, einsetzen.

Versucht es – ihr könntet es auch hilfreich finden!

Tags:

, ,

Wenn euch dieser Beitrag gefallen hat, abonniert doch meinen Newsletter.

Online-Lesung im Second Life

Online-Lesungen haben Zukunft!
Illustration: Guido Göbbels

Lesungen sind der ideale Weg, um mit Lesern in Kontakt zu treten. Wer es schon einmal gemacht hat, wird wahrscheinlich davon schwärmen: Vor Publikum die eigenen Texte vorzulesen und (im Idealfall) dafür auch noch Applaus zu bekommen, ist eine wunderbare Sache.
Da liegt der Gedanke doch nah, eine Lesung nicht nur im lokalen Kreis (beispielweise in einem Café) zu veranstalten, sondern mehr global zu denken: eine Lesung im Internet.

Ist sowas denn möglich? Ja, ist es.

Das Literaturcafé rief zur Online-Lesung im Second Life und bat drei Autoren an das virtuelle Mikrofon: Petra A. Bauer, Oliver Buslau und Titus Müller.

Dies bedarf vielleicht einiger Erklärung.

Second Life ist quasi eine virtuelle Welt. Die Teilnehmer verbinden sich über das Internet mit dieser Welt und werden fortan dort repräsentiert durch ein Alter Ego, den so genannen Avatar. Mit diesen Avataren kann man nun die Welt durchstreifen, man kann neue Leute treffen und mit ihnen kommunizieren, man kann sogar Handel treiben, und einige große Firmen haben das Second Life schon als Werbeplattform entdeckt.

Auch das Literaturcafé hat eine virtuelle Zweigstelle, und in dieser konnten sich onlineversierte Literaturfreunde die Lesung unter dem Motto “Mord und Mittelalter” ansehen. Die Autoren waren also mit ihren Avataren anwesend und lasen live in ein Mikrofon, welches an ihre Rechner angeschlossen war.

Möglich wurde dies durch ein Programm namens Skype, einer Art Telefon für den Computer. Ein Klick genügte, und schon war man mittendrin in der Lesung.

Praktisch: Außer den drei Autoren und Wolfgang Tischer vom Literaturcafé, der als Moderator auftrat, lagen die drei Bücher, aus denen gelesen wurde, auf der Bühne, ein Klick darauf, und schon konnte man eine Bestellung bei Amazon aufgeben.

Ich persönlich finde das Konzept einer virtuellen Lesung sehr interessant, allerdings denke ich, dass noch kräftig die Werbetrommel gerührt werden muss, wenn die Idee über den Status eines Experimentes hinausgehen soll: Bei der Second Life-Lesung waren circa 30 Zuhörer anwesend, was anbetracht der astronomischen Benutzerzahlen des Second Life doch etwas gering ausgefallen ist. Darüber hinaus gab es wohl technische Probleme (die Besucher konnten nicht direkt Kommentare abgeben oder Fragen stellen), doch das ist in einer so frühen Phase eines Projekts ja zu erwarten.

Schön finde ich, dass eine solche Lesung unkomplizierter durchgeführt werden kann als eine reale. Beispielsweise entfällt die Miete für eine Räumlichkeit. Darüber hinaus bietet sich, wie gesagt, die Möglichkeit, ein größeres Publikum zu erreichen, sobald die Benutzer einmal dafür sensibilisiert wurden.

Alles in allem ein sehr lobenswertes Projekt, welches ich in Zukunft sicherlich verfolgen werde.

(gefunden via Prinz Rupi und Literaturcafé, bei letzterem gibt es eine Bildergalerie)

Tags:

, , ,

Wenn euch dieser Beitrag gefallen hat, abonniert doch meinen Newsletter.

Andreas Eschbach hilft aufstrebenden Autoren

Andreas Eschbach
Der deutsche Schriftsteller Andreas Eschbach dürfte vielen nicht erst seit seinem Durchbruch mit dem Roman “Das Jesus Video” ein Begriff sein (der Roman wurde übrigens auch verfilmt, laut Eschbach orientiert sich die Handlung allerdings nur bedingt am Buch).

Eschbach zeigt auf seiner Homepage www.andreaseschbach.de nicht nur einige seiner Kurzgeschichten, sondern hat unter der Rubrik “Übers Schreiben” eine beeindruckende Sammlung an Fragen zusammengestellt, die ihm von Lesern per Email zugeschickt wurden, und beantwortet diese. Zielgruppe sind dabei Schriftsteller, besonders solche, die bisher mit ihrem Schaffen noch nicht die Anerkennung bekamen, die ihnen vielleicht zusteht.

Die Fragen sind in verschiedene Kategorien unterteilt und behandeln neben allgemeinen Tipps zum Schreiben auch einen kleinen Leitfaden, wie man den richtigen Verlag findet, wie ein anständiges Manuskript auszusehen hat, und vieles mehr.

Meiner Meinung nach ist die Seite unbedingt lesenswert.

Links

Tags:

, ,

Wenn euch dieser Beitrag gefallen hat, abonniert doch meinen Newsletter.