Der Flucht-oder-Kampf-Reflex bei Schreibblockaden
Obwohl wir Menschen ein zivilisiertes und von Verstand geprägtes Leben führen, gibt es immer noch Situation, die uns auf unsere animalischen Reflexe und Triebe zurückfallen lassen.
Das ist auch gut so, denn die bewusste Reaktion auf ein Ereignis kostet mehr Zeit als eine, die aus einem Reflex heraus geschieht.
Wenn uns zum Beispiel jemand einen Ball zuwirft, wäre es unpraktisch, wenn wir zuerst darüber nachdächten, ob wir ihn fangen wollen oder nicht. Statt dessen wird sofort reagiert.
Eine klassische Situation, in der die Reflexe die Hebel in die Hand nehmen, ist eine, in der wir Angst empfinden. Wenn ein Mensch Angst hat, wird automatisch der so genannte Flucht-oder-Kampf-Reflex in Gang gesetzt.
Das Gehirn entscheidet in Sekundenbruchteilen, ob die Gefahr eine ist, die überwältigt werden kann, oder ob es für das eigene Überleben notwendig ist, die Flucht zu ergreifen.
Der Flucht-oder-Kampf-Reflex greift zum Beispiel, wenn wir im Wald einem wilden Bären gegenüber stehen, doch ich behaupt, dass nichts anderes passiert, wenn uns eine Schreibblockade überrumpelt.
Die folgende Situation dürfte euch höchstwahrscheinlich bekannt vorkommen: Ihr sitzt vor dem Rechner und schreibt eine Szene, welche auf ein Ende zusteuert, welches ihr ungern schreiben würdet. Nehmen wir als Beispiel eine Sexszene oder eine, in der eine sympathische Figur ums Leben kommt.
Wenn ihr also zu dieser Szene kommt, wird unterbewusst der Flucht-oder-Kampf-Reflex in Gang gesetzt, und da es sich bei der Angst, die Szene zu schreiben, um eine sehr abstrakte handelt, wird wahrscheinlich “Flucht” gewinnen.
Was tun wir also? Wir fangen an, irgendetwas ganz wichtiges zu recherchieren, wir stehen auf, um das Fenster zu schließen, den Hund raus zu lassen oder Kaffee zu kochen. Das nennt man in der Psychologie Vermeidungsverhalten. Kaum kehren wir zu der Szene zurück: Schreibblockade.
Wenn wir nicht wollen, dass “Flucht” gewinnt, sondern unseren Körper dahingehend trainieren wollen, dass er kämpft, habt ihr den ersten Schritt schon getan, nämlich diesen Beitrag zu lesen. Probiert es ruhig aus, wenn ihr euch das nächste Mal einer schwierigen Szene nähert und hinterfragt die Motivation, aus der ihr euch vom Arbeitsplatz entfernt.
Was ihr tun könntet:
- Nicht aufstehen
- Was immer ihr auch tut, verlasst den Schlachtplatz nicht. Wenn ihr es dieser blöden Szene zeigen wollt, zeigt ihr nicht, dass ihr der Schwächere seid
- Verschiebt Recherchen
- Eine Recherche kann man in den meisten Fällen auch nachher noch gut erledigen, siehe meinen Beitrag Unterbrechungsfrei schreiben mit Notizzetteln
- Vorsorge
- Macht eure Recherchen vorher, lasst den Hund raus, trinkt drei Tassen schwarzen Kaffee, gebt euch selbst überhaupt nicht die Gelegenheit, wegen irgend etwas aufzustehen
- Den Reflex umlenken
- Das nächste Mal, wenn ihr merkt, dass euer Unterbewusstsein Überhand gewinnen möchte, versucht, so reflexartig wie möglich etwas anderes zu tun: Fahrt euch mit der Hand über die Augen, dreht euch einmal mit eurem Bürostuhl, irgend etwas. Ich bin kein Psychologe, doch mir hat es wirklich geholfen
Um es noch einmal auf den Punkt zu bringen: Wenn ihr unter diesem Reflex leidet, müsst ihr lernen, ihn unter Kontrolle zu bringen, und ihn zu erkennen ist der erste Schritt in diese Richtung.
Lasst mich doch in den Kommentaren wissen, ob es euch geholfen hat.
Siehe auch
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