Online-Lesung im Second Life
Lesungen sind der ideale Weg, um mit Lesern in Kontakt zu treten. Wer es schon einmal gemacht hat, wird wahrscheinlich davon schwärmen: Vor Publikum die eigenen Texte vorzulesen und (im Idealfall) dafür auch noch Applaus zu bekommen, ist eine wunderbare Sache.
Da liegt der Gedanke doch nah, eine Lesung nicht nur im lokalen Kreis (beispielweise in einem Café) zu veranstalten, sondern mehr global zu denken: eine Lesung im Internet.
Ist sowas denn möglich? Ja, ist es.
Das Literaturcafé rief zur Online-Lesung im Second Life und bat drei Autoren an das virtuelle Mikrofon: Petra A. Bauer, Oliver Buslau und Titus Müller.
Dies bedarf vielleicht einiger Erklärung.
Second Life ist quasi eine virtuelle Welt. Die Teilnehmer verbinden sich über das Internet mit dieser Welt und werden fortan dort repräsentiert durch ein Alter Ego, den so genannen Avatar. Mit diesen Avataren kann man nun die Welt durchstreifen, man kann neue Leute treffen und mit ihnen kommunizieren, man kann sogar Handel treiben, und einige große Firmen haben das Second Life schon als Werbeplattform entdeckt.
Auch das Literaturcafé hat eine virtuelle Zweigstelle, und in dieser konnten sich onlineversierte Literaturfreunde die Lesung unter dem Motto “Mord und Mittelalter” ansehen. Die Autoren waren also mit ihren Avataren anwesend und lasen live in ein Mikrofon, welches an ihre Rechner angeschlossen war.
Möglich wurde dies durch ein Programm namens Skype, einer Art Telefon für den Computer. Ein Klick genügte, und schon war man mittendrin in der Lesung.
Praktisch: Außer den drei Autoren und Wolfgang Tischer vom Literaturcafé, der als Moderator auftrat, lagen die drei Bücher, aus denen gelesen wurde, auf der Bühne, ein Klick darauf, und schon konnte man eine Bestellung bei Amazon aufgeben.
Ich persönlich finde das Konzept einer virtuellen Lesung sehr interessant, allerdings denke ich, dass noch kräftig die Werbetrommel gerührt werden muss, wenn die Idee über den Status eines Experimentes hinausgehen soll: Bei der Second Life-Lesung waren circa 30 Zuhörer anwesend, was anbetracht der astronomischen Benutzerzahlen des Second Life doch etwas gering ausgefallen ist. Darüber hinaus gab es wohl technische Probleme (die Besucher konnten nicht direkt Kommentare abgeben oder Fragen stellen), doch das ist in einer so frühen Phase eines Projekts ja zu erwarten.
Schön finde ich, dass eine solche Lesung unkomplizierter durchgeführt werden kann als eine reale. Beispielsweise entfällt die Miete für eine Räumlichkeit. Darüber hinaus bietet sich, wie gesagt, die Möglichkeit, ein größeres Publikum zu erreichen, sobald die Benutzer einmal dafür sensibilisiert wurden.
Alles in allem ein sehr lobenswertes Projekt, welches ich in Zukunft sicherlich verfolgen werde.
(gefunden via Prinz Rupi und Literaturcafé, bei letzterem gibt es eine Bildergalerie)
Siehe auch
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Claudia sagt
am 20. Juni 2007 @ 20:15
Gibt es in Second Life eine Autorengruppe? Ich bin seit Ende letzten Jahres in SecondLife und habe bisher nur wenige Autoren getroffen. Informationen zu den Lesungen würden mich sehr interessieren.
Jörn sagt
am 21. Juni 2007 @ 08:33
Hm, da kann ich dir leider nicht weiterhelfen, fürchte ich…mein Tipp wäre, einfach mal beim Literaturcafé anzufragen.
Entweder auf www.literaturcafe.de oder du schaust einfach mal bei der virtuellen Dependance im Second Life vorbei.
Da ist selbst im Second Life gar nicht unterwegs bin, kann ich dir leider nicht sehr viel dazu sagen.
Wünsche dir aber alles Glück, dass du da noch interessierte Mitautoren findest!