Rhetorische Figuren Teil 1: Der Pleonasmus
Wir haben ihn in der Schule beiläufig behandelt, doch welchen Einfluss er auf unser Schreiben hat, ist uns meist nicht klar: es geht um den Pleonasmus.
Zuerst einmal die Begriffsklärung: ein Pleonasmus bezeichnet eine Gruppe von Wörtern, innerhalb der eine bestimmte Bedeutung (meist überflüssigerweise) mehrfach ausgedrückt wird.
Ein paar Beispiele:
- neu renoviert (Klassiker)
- weißer Schimmel (ja, ich weiß, es gibt auch andersfarbige Schimmel!)
- tote Leiche
Dabei ist das Adjektiv unnötig, da es dem Substantiv keine neue Bedeutung zuweist, sondern lediglich die bereits vorhandene verstärkt. Toter als eine Leiche kann man eben nicht werden.
Einige Pleonasmen haben schon derart Einzug in unsere Sprache gehalten, dass uns gar nicht mehr auffällt, dass es welche sind:
- Düsenjet (jet ist Englisch für “Düse” oder “Strahl”)
- Pulsschlag (ein Puls ist ein Schlag)
- La-Ola-Welle (la ola bedeutet “die Welle”)
Nun gibt es durchaus legitime Möglichkeiten, den Pleonasmus zu benutzen, beispielsweise wenn man bewusst das Augenmerk auf eine Bedeutung legen möchte. Durch Verwendung des Pleonasmus ist es dann möglich, die Bedeutung quasi zu verdoppeln.
Weitaus häufiger jedoch dürfte die illegitime Verwendung des Pleonasmus Anwendung finden, zum Beispiel, um die so genannten absoluten Adjektive (also Adjektive, die per definitionem nicht gesteigert werden können) doch noch zu steigern, immer gern gelesen in Formulierungen wie “am perfektesten” und “er ist der Einzigste”. Pfui, sage ich.
Des weiteren erwähnenswert ist der Umstand, dass manche Pleonasmen nur im Kontext welche sind. Beispiele:
- kleiner Zwerg (ein besonders klein geratener Zwerg ist im Vergleich zu anderen seiner Sippe nun mal eben noch kleiner)
- kleiner Obolus (das Wort Obolus kommt aus dem griechischen und bedeutet “kleine Geldspende”)
Natürlich ist es möglich, den Pleonasmus als rhetorische Figur zu verwenden, und wahrscheinlich hat das jeder von uns, wenn auch unbewusst, auf die ein oder andere Weise auch schon getan. Formulierungen wie Ich habe ihn geküsst, mit meinen eigenen Lippen geküsst
fallen kaum auf, sind jedoch Pleonasmen, denn womit sollte man sonst jemanden küssen?
Bei Verwendung des Pleonasmus ist allerdings äußerste Vorsicht geboten, denn im Regelfall stellt ein pleonastisch verwendetes Adjektiv nichts anderes dar als ein Wort, ohne das der Text einfach dichter wirkt.
Tags:
pleonasmus, rhetorische figuren, stilWenn euch dieser Beitrag gefallen hat, abonniert doch meinen Newsletter.
