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Rhetorische Figuren Teil 2: Die Onomatopoesie

Onomatopoesie erinnert oft an Comics
Illustration: Guido Göbbels

Hinter dem wunderschönen Wort Onomatopoesie versteckt sich eigentlich nichts anderes als die altbekannte Lautmalerei, also die Wiedergabe eines Geräusches als geschriebenes Wort.

Sobald in einer Geschichte also ein Geräusch “wiedergegeben” wird, indem der Autor beispielsweise Rumms oder Patsch schreibt, handelt es sich im eigentlichen Sinn schon um Onomatopoesie.

Die Benutzung eines onomatopoetischen Wortes gibt der Geschichte häufig etwas kindliches. Sätze wie “Mit einem lauten Rumms hauchte der Motor sein Leben aus” eignen sich nicht gerade dazu, einer Geschichte einen spannenden Tiefgang zu verpassen, zumal sie den Leser wahrscheinlich eher an einen Comic erinnern werden als an ein seriös verfasstes, literarisches Machwerk.

Dass sich auch jenseits von Kinderbüchern eine Menge mit gemalten Wörtern erreichen lässt, zeigt der japanische Autor Haruki Murakami. Seine Geschichten sind häufig mit einer gehörigen Portion Surrealität durchsetzt, und um im Leser den seltsam fremden Eindruck zu erwecken, die seine Werke mit sich ziehen, benutzt Murakami häufig onomatopoetische Ausdrücke wie zum Beispiel in seiner Kurzgeschichte “TV-People” in dem Buch Wie ich eines schönen Morgens im April das 100prozentige Mädchen sah.

Wenn man, wie Murakami, eher experimentelle, surrealistische Literatur verfassen möchte, kann man ruhig Laute malen, in den meisten Texten jedoch wirkt die Onomatopoesie hinderlich, da sie die meisten Leser aus dem Lesefluss reißt. Rumms!

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Rhetorische Figuren Teil 1: Der Pleonasmus

Vorsicht, bissiger Pleonasmus
Illustration: Guido Göbbels

Wir haben ihn in der Schule beiläufig behandelt, doch welchen Einfluss er auf unser Schreiben hat, ist uns meist nicht klar: es geht um den Pleonasmus.

Zuerst einmal die Begriffsklärung: ein Pleonasmus bezeichnet eine Gruppe von Wörtern, innerhalb der eine bestimmte Bedeutung (meist überflüssigerweise) mehrfach ausgedrückt wird.

Ein paar Beispiele:

  • neu renoviert (Klassiker)
  • weißer Schimmel (ja, ich weiß, es gibt auch andersfarbige Schimmel!)
  • tote Leiche

Dabei ist das Adjektiv unnötig, da es dem Substantiv keine neue Bedeutung zuweist, sondern lediglich die bereits vorhandene verstärkt. Toter als eine Leiche kann man eben nicht werden.

Einige Pleonasmen haben schon derart Einzug in unsere Sprache gehalten, dass uns gar nicht mehr auffällt, dass es welche sind:

  • Düsenjet (jet ist Englisch für “Düse” oder “Strahl”)
  • Pulsschlag (ein Puls ist ein Schlag)
  • La-Ola-Welle (la ola bedeutet “die Welle”)

Nun gibt es durchaus legitime Möglichkeiten, den Pleonasmus zu benutzen, beispielsweise wenn man bewusst das Augenmerk auf eine Bedeutung legen möchte. Durch Verwendung des Pleonasmus ist es dann möglich, die Bedeutung quasi zu verdoppeln.

Weitaus häufiger jedoch dürfte die illegitime Verwendung des Pleonasmus Anwendung finden, zum Beispiel, um die so genannten absoluten Adjektive (also Adjektive, die per definitionem nicht gesteigert werden können) doch noch zu steigern, immer gern gelesen in Formulierungen wie “am perfektesten” und “er ist der Einzigste”. Pfui, sage ich.

Des weiteren erwähnenswert ist der Umstand, dass manche Pleonasmen nur im Kontext welche sind. Beispiele:

  • kleiner Zwerg (ein besonders klein geratener Zwerg ist im Vergleich zu anderen seiner Sippe nun mal eben noch kleiner)
  • kleiner Obolus (das Wort Obolus kommt aus dem griechischen und bedeutet “kleine Geldspende”)

Natürlich ist es möglich, den Pleonasmus als rhetorische Figur zu verwenden, und wahrscheinlich hat das jeder von uns, wenn auch unbewusst, auf die ein oder andere Weise auch schon getan. Formulierungen wie Ich habe ihn geküsst, mit meinen eigenen Lippen geküsst fallen kaum auf, sind jedoch Pleonasmen, denn womit sollte man sonst jemanden küssen?

Bei Verwendung des Pleonasmus ist allerdings äußerste Vorsicht geboten, denn im Regelfall stellt ein pleonastisch verwendetes Adjektiv nichts anderes dar als ein Wort, ohne das der Text einfach dichter wirkt.

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