Wie man Zeit zum Schreiben findet
Habt ihr auch schon mal den Satz gesagt: “Ich habe keine Zeit zum Schreiben”?
Natürlich, wir haben alle einen prall gefüllten Tagesablauf, wir alle haben Jobs, wir alle haben Freunde und vielleicht Partner, die Aufmerksamkeit beanspruchen, wir haben Hobbys neben dem Schreiben, und dann kommt natürlich noch hinzu, dass wir unsere Lieblingsserien im Fernsehen nicht verpassen wollen.
Doch führen wir uns doch mal für einen Moment die Tatsache vor Augen, dass jedem einzelnen von uns, jedem Menschen auf diesem Planeten exakt das gleiche Maß an Zeit zur Verfügung steht, vierundzwanzig Stunden pro Tag, sechzig Minuten in der Stunde. Wie kommt es also, dass manche Autoren wie am Fließband Dreihundert-Seiten-Bücher produzieren, während wir kaum in der Lage sind, eine kleine Kurzgeschichte am Stück zu tippen?
“Moment”, werden vielleicht manche argumentieren. “Diese Personen sind ja Schriftsteller von Beruf. Die haben doch den ganzen Tag nichts anderes zu tun.”
Stimmt nicht. Wie hoch schätzt ihr die Wahrscheinlichkeit, dass zum Beispiel Stephen King einfach eines Tages entschieden hat, seinen Job an den Nagel zu hängen, Vollzeit-Schriftsteller zu werden und damit auch noch sein täglich Brot verdienen will? Richtig, das wird nicht funktionieren.
Wie also schaffen wir es, das Schreiben in unser tägliches Leben zu integrieren?
Ganz einfach: Indem wir uns überlegen, dass “Ich habe keine Zeit zu schreiben” in Wirklichkeit bedeutet: “Andere Dinge sind mir wichtiger als das Schreiben”. Ihr habt doch auch Zeit für’s Fernsehen oder um im Internet zu surfen, oder?
Wenn wir also Zeit zum Schreiben gewinnen wollen, müssen wir uns überlegen, welche unwichtigeren Dinge wir dafür zur Seite legen können.
- Fernsehen
Ich meine es ernst: Hört auf, fernzusehen. Am besten komplett. Ich persönlich besitze zwar einen Fernseher, doch der ist nicht an den Kabelempfang angeschlossen. Wenn ihr es schafft, das Fernsehen komplett zu streichen, sehr gut, wenn ihr auf ein paar Serien besteht (tue ich auch), schaut sie bei einem Freund oder, noch besser, leiht sie euch auf DVD. Ihr könnt sie dann schauen, wenn ihr wirklich Zeit dazu habt, zum Beispiel als Belohnung nach dem Schreiben. - Gefallen
Wenn es euch geht wie mir, werdet ihr häufig von Freunden gefragt, ob ihr nicht mal schnell dieses oder jenes für sie erledigen könntet. Ich bin weit davon entfernt, euch zu empfehlen, euren Freunden keine Gefallen mehr zu tun, das nächste Mal, wenn ihr gefragt werdet, überlegt euch einfach nur: Braucht dieser Freund wirklich meine Hilfe? Würde er mir wirklich grollen, wenn ich sage: “Tut mir leid, ich habe keine Zeit für dein Projekt, da ich im Moment an meinem Roman / meiner Kurzgeschichte arbeite”? - Süchte
Süchte können natürlich gesundheits- und/oder charakterschädigend sein, sie können jedoch auch Zeit fressen. Ihr braucht euch nicht die gelegentliche Zigarette oder den Kaffee abgewöhnen, ich meine zum Beispiel die Sucht nach Videospielen. Ich kann überhaupt nicht zählen, wie viele Stunden, die ich zum Schreiben hätte nutzen können, ich damit verschwendet habe. Vielleicht seid ihr süchtig nach John Sinclair-Romanen, ganz egal, wenn eure Süchte zu viel Zeit verschlingen und euch von eurem Traum abhalten: Weg damit!
Auch die Sucht nach Alkohol kann in eure Schreib-Zeit einschneiden: Wie viel Zeit verschwenden wir, wenn wir mit Kater auf der Couch liegen?
Auf dem (englischsprachigen) Blog www.zenhabits.net findet ihr eine ganze Menge guter Tipps, wie man sich solch schlechte Gewohnheiten abtrainieren kann. - Schlaf
Nein, ihr sollt euch nicht bis zur Insomnia selbst kasteien, doch überlegt mal folgendes: Schlaft ihr am Wochenende aus? Bis wann, bis zwölf vielleicht? Und wann steht ihr unterhalb der Woche auf, eventuell um sechs? Ich brauche niemandem vorzurechnen, dass das zwölf Stunden pro Wochenende sind, die ihr dadurch gewinnt, oder? Führt den Gedanken weiter, und mit dem Hintergedanken, dass ihr dadurch sechshundertvierundzwanzig Stunden im Jahr geschenkt bekommt, sieht die Aussicht, am Wochenende etwas früher aus den Federn zu kommen, gar nicht mehr so furchteinflößend aus.
Außerdem könnt ihr euch angewöhnen, eine Stunde vor der normalen Zeit unter der Woche aufzustehen, wenn sich das einrichten lässt, denn so gewinnt ihr auch eine ganze Menge Zeit zum Schreiben. Natürlich müsst ihr dadurch früher ins Bett gehen, doch was ist wichtiger: Stephan Raab im Fernsehen oder euer Erstlingswerk? - Warten
Der Mensch wartet dauernd auf irgendetwas. Auf den Zug, auf den Bus, auf den Zahnarzttermin oder stundenlang am Flughafen. Gewöhnt euch einfach an, einen Block und einen Stift mit euch zu führen, wo immer ihr hingeht. Ich sage ja nicht, dass ihr euren Roman in der U-Bahn schreiben sollt, doch statt die Express zu lesen, könnte man doch prima seine Gedanken schweifen lassen, welche Probleme man seinen Charakteren in den Weg stellt, oder? Ansonsten: Habt immer ein Buch dabei. Wer schon nicht schreibt, der sollte wenigstens lesen.
So, das waren meine Ideen, wie ihr euch Zeit zum Schreiben ansparen könnt. Wenn ihr noch Einfälle habt, lasst es mich wissen und ich werde sie hinzufügen.
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